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Maximiliansweg

Tag 3: Berchtesgaden - Königssee

Berchtesgaden scheint gemacht zu sein für Busladungen voll amerikanischer Touristen. Ich höre nur noch englisch und ertappe mich, wie ich aus Versehen im Hotel auf englisch bestelle. Nach einem späten Frühstück laufe ich los - heute in meinen „Hauslatschen“, da ich (Anfängerfehler!) beide paar Socken gleichzeitig gewaschen habe und sie nicht trocken wurden. Da es heute aber nur für einen Tagesausflug zum Königssee geht, habe ich Glück. Rucksack und Wanderschuhe bleiben im Hotel.

So laufe ich los, am Fluss entlang Richtung Schönau. Es ist schon am Morgen angenehm warm. Ein Kiesweg führt mich Richtung See. Es ist wenig los. An einem kleinen Holzkiosk trinken ein paar Radler ihre erste Pausen-Halbe. Ich folge weiter dem Kiesweg. Das Telefon klingelt. Ein mir sehr wichtiger Freund meldet sich. Wir haben lange nicht gesprochen, da er bewusst Zeit alleine suchte. Wir erzählen uns, was in der letzten Zeit passiert ist. Wir lachen, ratschen und die Zeit vergeht wie im Fluge. Wie schön es sei bewusst alleine wegzufahren, erzählt er. Er möchte das nie wieder aufgeben. Ich stimme zu. Auch ich möchte mir das alleine Wandern in jedem Jahr ermöglichen. Alleine zu sein, ganz ohne Außeneinflüsse, ermöglicht ein viel achtsameres Erleben der Natur und der eigenen Gefühls- und Gedankenwelt. Die Einstellung dazu eint uns beide sehr. Wir verabschieden uns - jeder für seine "Zeit für sich" - und ich folge weiter dem Kiesweg Richtung Schönau. Dort angekommen, hab ich richtig Spaß einen absoluten Touristentag zu machen. Ich kaufe Bootstickets und stöbere in der Wartezeit in den zahlreichen Souvenirläden.

Noch nie habe ich solche Läden so genau inspiziert. Mit einer Verkäuferin des Trachtengeschäfts  ratsche ich über die große Auswahl. Sie entgegnet, das käme mir nur so vor, weil ich Urlaub habe und mehr wahrnehme. Das hätte ihr ein Teppichhändler aus Sylt erzählt. Menschen kaufen in Urlauben mehr. Wie traurig doch eigentlich diese Aussage ist. Im Alltag des Heimatortes sehe ich folglich dasselbe, nehme es aber nicht wahr. Ich habe einen engen, fokussierten Blick, der das Entdecken wohl kaum zulässt. In einem Steinladen, in dem es allerlei „Heilsteine“ gibt, die man in Wasserkaraffen werfen kann, kaufe ich zwei kleine längliche dunkelgrau schimmernde Steine aus den Bergen (leider habe ich die Gesteinsart vergessen) und nehme mir vor meine Schwiegercousine, Juwelierin, zu beauftragen Ohrringe daraus zu machen. Entweder wird sie fluchen oder es feiern - das wird sich zeigen.

Das Boot legt ab und sogleich beginnt die Touristenerklärung rund um den Königssee. Sie beginnt mit der Legende vom Watzmann, die Willi gestern schon erzählt hatte:

Einst herrschte der blutrünstige König Watzmann. Er kannte keine Gefühle, nur Hass und Gewalt. In einer seiner gierigen und blutrünstigen Gewalttaten scheuchte er seine Hunde auf eine Bauernfamilie. Sie zerfleischten Hund und Kind, anschließend fielen sie über die Frau her. Voller Zorn rief der Bauer zu Gott, bevor er ebenfalls angefallen wurde. Und Gott reagierte. Die Hunde wendeten sich gegen König Watzmann, dessen Frau und deren sieben Kinder. Sie starben und wurden für immer versteinert. Das ganze Blut der Blutrünstigkeit floss die Berge hinab in einen großen See.

Und so kann man den Watzmann, seine Frau (kl. Watzmann) und die Kinder (Nebengipfel) heute alle noch sehen.

Wir drehen uns um, auch dort haben die Gebirge Spitznamen: die liegende Hexe. Wenn man genau hinsähe würde man das Gesicht und ihre Brüste sehen. „Eine junge Hexe“ kommentiert der Kapitän trocken.

Die liegende Hexe

An der berühmten Echowand vom Königssee spielt das Besatzungsmitglied in alter Tradition Trompete. Es hallt beeindruckend von der Wand zurück.

Wir fahren weiter Richtung St. Bartholomä. Im 17. Jahrhundert wurde die heutige Kirche erbaut. Das daneben liegende Gebäude war einst ein einsames königliches Jagdschloss. Nun ist es ein Wirtshaus geworden, dass von Touristen überrannt wird. Das Boot fährt weiter bis Salet, von wo aus es ein kurzer Fußmarsch bis zum wunderschönen Obersee ist.

Es ist voll. Manche Menschen filmen durchgängig den ganzen Weg. Am See selbst, wechseln sich die Touristen ab, um am Bootshäuschen ein Foto zu machen.

Ein paar Meter weiter ist es schon ruhiger. Ich springe glücklich in den 14 Grad kalten See und genieße die Auszeit für meine müden Beine.

Als das Boot wieder zurückfährt, merke ich meine Müdigkeit - die Müdigkeit der ersten Tage, sowie die Müdigkeit der letzten Wochen. Es schaukelt so gemütlich monoton. Meine Augen fallen zu und ich schlafe…

Mein Name ist Nela. Ich bin eine freiheitsliebende Entdeckerin, voller Neugierde Neues zu finden, zu sehen, zu versuchen.

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