Muttekopfhütte - Hahnentennjoch

Wir frühstücken gemeinsam. Es fühlt sich an als hätte ich schon immer zur Familie gehört, auch wenn alle holländisch sprechen und ich deutsch und englisch. Ich genieße diesen einen Tag Erfahrung in Familienurlaub, den ich so noch nie erlebt habe. 

Wir brechen auf. Es ist heiß und wir sind müde. Jeder Schritt ist zäh und fordernd. Isabel und ich sind komplett unmotiviert, während „unsere“ Männer wieder schnellen Schrittes bergauf steigen. Ca. zwei Stunden geht es hinauf in ein Tal zu einem Grat. Es wird zunehmend gerölliger… ich falle weit hinter Isabel zurück. Heute halte ich alle auf. Langsam kommt die Überlegung auf heute aufzuhören, denn besser als der gestrige Tag wird es nicht mehr werden. Es ist wie wenn der Höhepunkt der Tour erreicht war, die längsten Wege, der höchste Punkt, die netteste Gesellschaft, der schönste Abend, das meiste Wohlfühlen. Was soll da noch draufgelegt werden? Das Wandern heute fühlt sich an, wie das Aufräumen nach einer Party: es gehört dazu, um das Ereignis abzuschließen und dennoch liegt das Schöne hinter einem. 

Müde und erschöpft erreiche ich den Scharnitzsattel. Wir machen eine kleine Pause, sehen in die Ferne, ehe wir wieder aufbrechen. Der Abstieg ist rutschig und mit Seilen unterstützt. Ich realisiere, dass er deutlich länger als angegeben dauern wird. Isabel und ich gehen voraus. Wieder helfe ich ihr hier und da bei Stufen und Seilen. Das Geröll unter uns nimmt uns jeden Halt. Die anderen beiden kämpfen sich ebenso unterstützend durch das Gelände. Irgendwann haben wir die schlimmsten Stellen durchschritten und gehen auf kiesigen Serpentinen weiter. Hier folge ich wieder dem munteren Familientrupp, der sich schnellen Schrittes nach unten bewegt. In weiter Ferne sehen wir das Hahnentennjoch. Schier unendlich erscheint mir der heutige Weg. Nichts in mir ruft nach der Anhalterhütte, aber alles nach Pool, Sonne, Aperol, Füße hochlegen. 

Am Hahnentennjoch angekommen beschließe ich dem inneren Drang nach Pool und Wellness nachzugeben. Die Anhalterhütte werde ich wann anders besuchen, vielleicht schon kommendes Jahr. Joris und seine Familie bringen mich ins Tal zur Bushaltestelle, von wo ich eine kleine Weltreise nach Garmisch starte. 

Dankbar blicke ich auf die letzten Tage zurück. Mein Bild von Wandern mit Familie hat sich gewandelt. Ich hatte eine richtig gute Zeit als Ersatzmutti für zwei Tage. Manchmal sind es diese zufälligen Begegnungen, die die Perspektiven oder Bewertungen ändern… 

In Garmisch angekommen klappere ich ein Hotel nach dem anderen ab und finde schließlich in einem überteuerten Wellnesshotel Ruhe und Erholung...