Tag 11: Fischbachau - Bad Wiessee

Wir frühstücken mit vielen rüstigen Rentnern. Die Kaffeemaschine ist der Automatisierung zu viel. Bis zu drei Mann verzweifeln gleichzeitig am Kaffeemachen.

Nach diesen morgendlichen Herausforderungen starten wir in Fischbachau Richtung Neuhaus. Wir folgen dem Tipp meines Vaters, um unnötige Kilometer zu sparen. Er „kenne da eine Abkürzung“, der gefährlichste Spruch aller Bergsteiger. Doch die Alpenvereinsapp bestätigt den Weg und wir beschließen von Neuhaus direkt nach Rottach-Egern zu gehen.

Es geht zunächst durch den Ort, vorbei an idyllischen alten Alpenvillen, an Neubauprojekten und an verlassenen zugewachsenen Grundstücken mit Altbestand. Wir passieren die Jugendherberge Neuhaus, in der ich immer Orchesterlager hatte. Meine Talente für Billard und Tischtennis wurden hier entdeckt, ebenso wie mein fehlendes Talent für Geige und Bratsche. Macht nichts - dabei sein ist alles - und irgendwie habe ich sogar den Grundkurs Orchester überlebt. Es brauchte wohl eine Quotenbratsche. Schmunzelnd blicke ich zur Brecherspitz hinauf, auf die ich einst mit einem Lehrer und einem weiteren Schüler (1. Geige) rotzevoll um 5 Uhr morgens gestiegen bin, um mal zu sehen wie der Sonnenaufgang dort so aussieht. Es wird das einzige Mal bleiben, an dem ich die ausgeschriebene Zeit weit unterboten habe. Wir mussten ja schließlich zum Frühstück zurück sein, damit die Aktion nicht auffällt.

Wir laufen weiter und folgen einem Talweg hinein in den Wald. Dort zieht er sich, recht unspektakulär langsam nach oben. Irgendwann zieht er sich wieder hinab und es eröffnet sich ein weites, sonnendurchflutetes Tal in dessen Mitte sich die Kühzaglalm befindet, die mein Vater auf der Karte dick mit „Weißbier“ markiert hatte. Wir kehren ein, genießen ein alkoholfreies Weißbier und eine gigantische Brotzeit.

Die Alm ist urig. Überall finden sich selbstgehäkelte Deckchen und Gartendeko. Die Wirtin sieht verbraucht aus, gezeichnet von zu viel Sonne, zu wenig Hautpflege und ggf. Alkohol oder Zigaretten? Man weiß es nicht. Auf jeden Fall ist sie super nett und bemüht um das Wohl ihrer Gäste. Neben uns sitzen ein paar Franken zusammen mit wohl bekannten Tegernseern.

„Man soll Gott für alles danken, auch für Ober-, Mittel, Unterfranken“ hören wir - Gelächter. Wir ziehen weiter. Der Fahrweg führt uns ins Tal hinab. Weit öffnet sich das Kühzagltal. Idyllisch und erstaunlich verlassen ist es hier, direkt hinter dem glitzernden Promihotspots des Tegernsees. Einige Häuser stehen leer: was die wohl kosten?

Wir laufen weiter entlang der Rottach bis Rottach-Egern. Dort angekommen platzt sogleich die Blase der Idylle. Oldtimer an Oldtimer reihen sich an der Ampel aneinander (Wochenendausfahrt). Angekommen am Bootssteg trinken wir eine überteuerte Schorle und warten auf das Boot nach Bad Wiessee.

Wir springen in den See und genießen bei Sauna, Rotwein und gutem Essen den lauen Sommerabend… Am Tegernsee zu sein fühlt sich nach zuhause an. Ich fühle mich pudelwohl, doch irgendwie auch zurück aus dem Urlaub.